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Die Sportler und ihre Trainer sind die Könige der Floskeln, in die Karten blicken lässt sich keiner. Gut ist jener, der zwischen den Zeilen versteht, was Spieler oder Trainer aussagen wollen. Interviews nach Fussballspielen sind meist ein Highlight wiederkehrender Floskeln und Ausflüchte. Freude machen da rhetorisch  gewandte oder sogar witzige Interviewpartner, welche aber leider eher selten anzutreffen sind. Man fragt sich, ob solche Interviews eigentlich sinnvoll sind oder es einfach dazugehört, dass  nach Sportübertragungen die Spieler und Trainer zu ihrem Befinden befragt werden. Über diese Frage könnte man vermutlich Bücher füllen, es geht nur darum was man daraus hört. Auch für den Interviewenden gibt es sehr wohl einfachere Sachen, als einen Sportler nach einer bitteren Niederlage zu seinen Gefühlen zu befragen. Aus der Mimik kann man aber sehr wohl ablesen, ob diese Enttäuschung echt ist oder ob die Niederlage auf die leichte Schulter genommen wurde. Lichtblicke des Journalismus sind solche Interviews bestimmt nicht. Sie gehören aber im Einzelnen sehr wohl zu Ereignissen, die man sich aus Schadenfreude oder Mitleid immer wieder gerne antut.

Solche Interviews können zu Legenden oder in der Neuzeit zu YouTube-Hits werden. So das legendäre Halbzeit-Interview mit dem österreichischen Nationalspieler Anton Pfeffer. Österreich war gegen Spanien in der EM-Qualifikation 1999 mit 0 zu 5 im Rückstand. Auf die Frage des Journalisten, was da in der zweiten Halbzeit noch möglich sei, antwortete Anton Pfeffer wie aus der Pistole geschossen: „Hoch gewinnen werden wir das Spiel nicht mehr.“

Pressekonferenzen nach den Spielen sind oft sehr einfach: Der Sieger ist zufrieden, der Unterlegene enttäuscht. Es sind die Einzelinterviews und Nachfragen, welche tatsächlich den Sinn dieses Beisammenseins ergeben. Auch da lesen die schreibenden Journalisten sehr wohl zwischen den Antworten und vieles ist Interpretationssache. Radiojournalisten haben da oft den schwereren Stand: Sie leben vom Originalton. Die Radiobeiträge kommen dann am Tag nach einem grossen Sportereignis meist weniger pointiert daher als die Schlagzeilen der Boulevardzeitungen. Diese brüsten sich teilweise auch damit, dass sie wüssten, was der Spieler bei den Antworten dachte und dies dann wiedergeben. Eine Art hellseherische Fähigkeit, welche sich da gewisse Journalisten offenbar angeeignet haben.

Im Grossen und Ganzen dienen diese Pressekonferenzen dazu, einen Austausch zwischen Journalisten und Sportlern zu generieren, was an und für sich sinnvoll ist. Wer Stellung bezieht hat eine Stellung. Wer keine Stellung bezieht, dessen Stellung wird gemacht. So gilt es, auch bei Niederlagen hinzustehen, sonst wird man in Grund und Boden geschrieben. Bei Pressekonferenzen ist also Vorsicht geboten, speziell bei Niederlagen. Trainer können bei Niederlagen auch als Sieger aus einer Pressekonferenz gehen, oder aber noch tiefer fallen.

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