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Wenn ich viel erzählen will, sollte ich mich kurz halten. Das ist eine einfache Vorgabe, an die man sich halten sollte. Langfädige Gespräche gehören zumindest bei den Privatradios der Geschichte an. Zeitslots für Themen sind massiv begrenzt, zudem unterscheiden sich die Radios in der Schweiz nur leicht voneinander. Antworten, die länger sind als 60 Sekunden, werden meist ohne Rücksicht auf Verluste auf 20 oder 30 Sekunden zusammengeschnitten. Wer sich also kurz hält, kann dem Kürzungsprozedere aus dem Weg gehen. Die logische Folgerung daraus: Wer viel erzählen will und sich kurz halten kann, bekommt länger die Möglichkeit, verschiedene Fassetten seines Themas zu erläutern. Dabei hilft es, sich Vorgängig über die Eckpunkte des Interviews zu informieren, damit Fettnäpfchen verhindert werden können.

Eckpunkte, Ziele und Notizen

Wer die Eckpunkte und das Ziel des Interviews kennt, kann sich besser vorbereiten, geht sattelfester in ein Gespräch und kann sich hilfreiche Notizen machen. Denn: Notizen sind gut, Texte sind schlecht. Am Radio hört sich nichts schlimmer an, als abgelesene Antworten. Abgelesene Texte sind Fremdkörper am Radio. Wer abliest, klingt unvorbereitet, nicht spontan und hölzern. Auch dem Interviewer wird das keinen Spass machen, da sich Nachfragen und spontane Ideen in Luft auflösen. Darum helfen Notizen und sind der Freund des Interviews, Texte dagegen der grosse Feind.

Zahlen sind nur bedingt interessant

Wer mit Zahlen jongliert, soll das gezielt und zurückhaltend machen. Zahlen überfordern den Zuhörer am Radio. Seine Antworten mit Zahlen zu schmücken ist völlig in Ordnung. Gerade wenn es um Rekorde geht, beispielsweise bei Besucherzahlen oder Gewinnen, macht das sehr wohl Sinn. Zu viele Zahlen können sich die Hörer jedoch nicht merken und sie versanden in Belanglosigkeit. Dasselbe mit Prozenten oder Bruchteilen. Wer mit Prozenten um sich wirft, kann den Zuhörer sehr leicht überfordern. Die Gefahr besteht, dass der Hörer zu rechnen beginnt und somit einen Teil des Gesprächs verpasst. Je einfacher, desto besser ist hier die Devise.

Die Floskel und seine Brüder

Wer Floskeln verwendet, muss in einer deutschen Fussballsendung zu Recht Geld in ein Sparschwein einzahlen. Politiker und Sportler sind die Könige der Floskel-Anwender. Diese Antworten werden durchschaut, verwendet werden sie aber trotzdem. Kommt dazu, dass Floskeln nichts weiter als reine Zeitverschwendung sind. Da aber Zeit am Radio heute rare Zeit ist, sollte man sich diese wenige Zeit für Inhalt anstelle von Floskeln nehmen.

 

 

 

  • Risto Laboski 10. Mai 2012 Antworten

    Ich hatte gestern Nachmittag einen Termin mit einem Berner Radio. Ihre Auflistung war recht hilfreich. Allerdings wurden meine Antworten, obwohl ich Sie kurz halten wollte, dennoch zusammengeschnitten. Teilweise gehen so wichtige Bestandteile verloren. Warum kann man beim Radio die Direktzitate nicht wie bei der Zeitung zur Korrektur verlangen?

    • Adrian Sutter 11. Mai 2012 Antworten

      Sehr geehrter Herr Laboski
      Theoretisch können sie auch bei einem Radio Interview die Freigabe verlangen, wenn sie die Sendung gegen gehört und kontrolliert haben möchten. Dies wird ihnen von den Radiostationen jedoch nicht von selbst angeboten. Grund dafür sind meistens die knappen Ressourcen und das die Interviews beim Radio sehr schnell über den Sender gehen. Als Tipp würde ich ihnen vor dem nächsten Radio Interview raten, zu Fragen wie lange das Sendegefäss ist in dem sie vorkommen. So können sie ungefähr einschätzen wie viel Wortanteil sie bekommen und die Zeit für ihre Antworten einigermassen berechnen.

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